Mit dem ersten Kontakt - dem Händedruck und dem Blick des Patienten -
beginnt bereits die körperliche Untersuchung!
Deshalb ist das Seminar Klinische Untersuchungstechnik eigentlich
ein "muss" für jede Heilpraktikerin und jeder Heilpraktiker -
denn nur wenige sind - leider - in der Lage, eine ordentliche und fachgerechte
Untersuchung des Patienten vorzunehmen.
Bringt doch die Untersuchung den Kontakt zum Patienten, lässt körperliche
Veränderungen erkennen, entscheidet über die weiteren Maßnahmen und
- in Verbindung mit dem Patienten - auch über die Therapie.
Die Technik einer sorgfältigen körperlichen Untersuchung kann nur durch
Übung erlernt werden.
Und - man kann einen kranken Körper nur dann erfassen - wenn man den
gesunden Zustand eines Menschen genau kennt
Voraussetzung ist, man hat gute Kenntnisse der normalen Anatomie und der
Körperfunktionen, kennt die krankheitsbedingten Veränderungen und geht
bei der Untersuchung in der richtigen Reihenfolge vor.
Wer eine Krankheit nicht kennt, wird sie nicht finden und kann sie deshalb
auch nicht untersuchen und schon gar nicht dazu beitregn, sie zu heilen!
Der Untersuchungskurs behandelt die Untersuchung des Erwachsenen.
Die Untersuchung des Neugeborenen und des Kindes in Verbindung mit kinder-
spezifischen Erkrankungen und Therapien der Kinder- vom Neugeborenen bis
zum Schulkind - werden in einem eigenen Seminar angeboten, da
erhebliche Unterschiede schon bei der Anatomie, Physiologie und Pathologie
des Kindes auftreten und unbedingt berücksichtigt werden müssen.
Ein Kind ist eben doch KEIN kleiner Erwachsener!
Inhalt:

Wir beginnen mit der Krankengeschichte oder der Patientenchronik.
Jede Diagnose und jede Therapie ist darauf angewiesen, dass der
Patient mitarbeitet.
Die Erhebung der Anamnese, die die derzeitigen Beschwerden beschreibt,
ist dann der nächste Schritt, bevor man mit der Krankenuntersuchung beginnt.
Über 80 % der Diagnosen beruhen auf einer sorgfältigen Anamnese und
körperlichen Untersuchung.
Die Untersuchung betrifft zunächst den ganzen Menschen - nicht einzelne
Körperregionen - dazu gehört auch die psychische Beurteilung
Grundsätzliches, Basisuntersuchung und Spezielles gehören an den Anfang der
Analyse. Labor und andere spezielle Untersuchungen werden nur angeschnitten,
soweit sie unbedingt erforderlich sind.
Alle Formen der Untersuchungstechnik - Inspektion, Palpation, Perkussion
und Auskultation, Hautuntersuchungen sowie spezifische Techniken werden
praktisch gegenseitig erlernt.
Ein Anamnesebogen erklärt Schritt für Schritt das Vorgehen.
Zusätzliche Funktionstests lassen leichter Veränderungen erkennen.
Dabei werden in einem Kopf zu Fuß - Schema alle Körperoberflächen
und Organe erfasst - Kopf ( Sinnesorgane ) Hals ( Schilddrüse - Lymphknoten
- Gefäße ) Brust ( weibliche Brust )
Thorax ( Herz - Lunge - Mediastinum ) Abdomen ( Leber - Milz - Magen - Darm )
Leiste ( Lymphknoten - männliche Leiste ) - weibliches Becken - Extremitäten.
Die Untersuchung des Nervensystems mit der Prüfung der Reflexe,
des Bewußtseins,der Psyche und neurologischer Reizzeichen schließen
das Seminar ab.
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Ein Wort noch zum Seminar:
Studierende sind im allgemeinen recht liberal,
wenn es um das Unbekleidet sein des anderen geht.
Sie selbst haben aber die gleichen Probleme wie der
Durchschnittsbürger, wenn SIE selbst die Kleider ablegen sollen.
Das ist auch für unser Seminar einerseits ein Hemmnis, andererseits
aber auch die Chance, beim Studierenden aus dem eigenen Erleben
heraus Verständnis für die Schamprobleme des Patienten zu wecken.
Der Umgang mit dem Schamgefühl des Patienten erfordert nämlich
sehr viel Takt vom Heilpraktiker oder der Heilpraktikerin.
Eine vertrauensvolle Partnerschaft zwischen Behandelndem und Patient
ist weder mit frivolen Reden noch mit einem herrischen "stellen sie sich
nicht so an!" zu gewinnen.
Am ehesten überwindet man das Schamgefühl, wenn man stufenweise vorgeht.
Man untersucht zunächst Regionen, die ohne Entkleidung zugänglich sind,
z. B. Kopf, Gesicht, Hals und Hände.
Dann bittet man den Patienten, die nächste zu untersuchende Region
frei zu machen, während man selbst Befunde im Krankenblatt notiert
oder ähnliches.
Keinesfalls sieht man dem Patienten beim Auskleiden zu ( oder doch
nur sehr unauffällig, wenn man den Bewegungsablauf erkennen möchte ).
Völlig abwegig wäre es, den Patienten als erstes aufzufordern, sich völlig
zu entkleiden und dann erst mit dem nackten Patienten ein Gespräch über
die Vorgeschichte seiner Erkrankung zu beginnen.
Das gilt auch für mögliche Störungen während der Untersuchung:
NIE bleibt ein Patient nackt irgendwo liegen oder stehen!
Bei unseren Übungen gelten daher ähnliche Verfahren.
Schon wegen der Gefahr einer Erkältung sollte sich von jeder
Arbeitsgruppe nur der zu Untersuchende entkleiden und auch nur
soweit, wie es für die Untersuchung unbedingt notwendig ist.
Auch hier gilt die Wahrung des Schamgefühls!
Grundsätzlich gilt die Empfehlung, für den Unterricht "Badebekleidung"
mitzubringen. Den weiblichen Teilnehmern sind zweiteilige Badeanzüge
( Bikini ) zu empfehlen, da einteilige zu viel von Rücken, Brust- und
Bauchwand verdecken.
Manche Studierende wollen - ihren Badegewohnheiten und der heutigen
Mode entsprechend, das Bikinioberteil bei Übungen ablegen.
Es ist zu befürworten, da die Untersuchungen entsprechend leichter sind.
Die langjährigen Erfahrungen zeigen aber auch, dass dadurch kein Druck auf
Teilnehmerinnen ausgeübt wird, die das Oberteil anbehalten wollen.
Es gehört zur Sozialisierung des Heilpraktikers, die eigene Sexualität auf
eine Stufe der Reife zu bringen, dass sie die heilpraktikerischen Aufgaben
nicht beeinträchtigt.
Der Studierende kann sich gegen eine Verletzung seines Schamgefühls
durch Kolleginnen oder Kollegen zu Wehr setzen.
Aber kann dieses der Patient in gleichem Maße auch?
Das Erleben der Schamhaftigkeit in der Situation des "Selbstuntersucht
werdens" kann dem angehenden Heilpraktiker sicher nur helfen, ohne
dass hinter dem Vorhang dieser Untersuchungen "Eros" lauert wie es
so oft geglaubt wird. Genau das Gegenteil ist der Fall!
Aber niemand wird zu irgend etwas im Seminar gezwungen....
Da wir Praxisseminare machen und die Untersuchungstechniken üben,
ist ein Abhören, Abtasten oder Abklopfen durch Bekleidung unmöglich
und entspricht auch nicht den realen Verhältnissen.
Feine Strukturen oder Veränderungen sind durch eine Bekleidung
hindurch nicht zu ermitteln und schon gar nicht zu tasten.
Wer Problem mit dem Ausziehen hat, sollte ein solches Seminar nicht buchen
Er wird auch Probleme haben, seinen Patienten ausziehen zu lassen!
Darüber hinaus ist eine Untersuchung eine manuelle Therapie und nicht
theoretisch zu erlernen.
Wer das dennoch möchte oder glaubt, soll sich ein Buch über
Untersuchungtechnik kaufen und zu Hause bleiben...
Empfehlung: Schattauer Verlag "Klinische Untersuchung"
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